Teil 3

 
- Teil 3 -
 
Aus diesen 3 Tagen sollten ein paar mehr werden. Mein Mann und ich, wir hatten einen größeren Auftrag für Alois, waren uns aber nicht sicher, ob ihm das gelingt. Wir hatten uns ein kleines Wochenendhäuschen gebaut und die linke Seitenfläche betrug 3m x 6m. Auf dieser Fläche sollte ein schönes Bild entstehen, mit einem Wahrzeichen unserer Heimat. Wir überlegten nicht lange und dachten an die Basteibrücke im Elbsandsteingebirge.Ein Bildnis in dieser Größe ist nicht einfach, weil der Maler unmittelbar davor steht und immer wieder einige Schritte zurück gehen muss, um beim Malen das Größenverhältnis der Details nicht zu verlieren. Meine Zweifel waren besonders groß, weil ein Zeichenblatt und diese Wand einen erheblichen Unterschied darstellten. Konnte Alois das? Wir teilten ihm unser Anliegen mit und den Ausdruck in seinen Augen werden wir nicht vergessen. So ein Auftrag und auch noch vor dem Winter! Kurzum, wir gaben ihm das Geld für Farbe, Pinsel etc., eben für alles, was er so brauchte. Wir haben ihm vertraut und keinen Gedanken daran verschwendet, dass er nicht mehr wiederkommen könnte mit dem Geld. Ein Bildband mit dem Bildnis der Basteibrücke sollte die Vorlage sein.Wir gaben ihm die Schlüssel für das Häuschen, ein paar Lebensmittel und Getränke und übernachten konnte er gleich an Ort und Stelle. Im Städtchen hatte es sich schon rumgesprochen, dass da einer ist, der etwas von der "Norm" abweicht.Wir ließen uns davon nicht beirren, denn schließlich und endlich sind diese Stimmen meist die, welche vor ihrer eigenen Tür zu kehren haben.
 
Copyright by Alois Möbus
 
Wir staunten nicht schlecht, als wir am nächsten Tag zum Grundstück kamen.  Es war schönes Wetter und ein guter Tag für Farbe und Pinsel. Alois war schon am Arbeiten. 
Geschickt hat er sich die Wand in viele kleine Quadrate aufgeteilt. Erst konnte ich mir nicht vorstellen, was das bedeuten sollte. Er hat es erklärt und arbeitete weiter. Nachbar Bodo hatte ständig etwas an Alois auszusetzen. War es Neid oder nur, weil Alois nicht in sein Konzept von einem Menschen passte? Auch das hat Alois mit Bravour gemeistert. Er ließ sich nicht von Nachbar Bodo beirren und stellte sich taubstumm, bis das Bild fertig war. Irgendwann hat Nachbar Bodo aufgegeben. Alois ist  von uns so entlohnt worden, wie es sich gehört für eine gute Arbeit und wieder ein unvergessliches Gesicht. Am nächsten Tag hatte er es eilig, er nahm das verdiente Geld und machte sich auf den Weg in das Stadtzentrum. Wie lange nicht in seinem Leben, wollte er mal richtig einkaufen. Und er tat es!!! Neue Schuhe, ein paar Kleidungsstücke, einen neuen Schlafsack und einen neuen Rucksack! Mit welch einer Freude er vom Einkauf zurückkam, ist unbeschreiblich. Jedes einzelne Stück packte er aus, um es uns zu zeigen. Am nächsten Tag verließ er uns und setzte seine Wanderschaft fort, mit dem Versprechen, sich ab und an mit einer Postkarte zu melden.

An dieser Stelle, möchte ich noch zwei kleine  Episoden über Alois einfügen:
Irgendwann fragte ich ihn, ob er denn keine Angst hat, so allein im Wald oder in Felshöhlen zu schlafen.Seine Antwort: "Manchmal ist es schon ein wenig komisch, ja, und Angst hatte ich auch schon.  Ich  habe mich aber daran gewöhnt und auch ein paar kleine Tricks auf Lager. Nachts lege ich um mich herum viel kleine trockene Äste, wenn jemand darauf tritt, höre ich das sofort". "Bist du denn schon überfallen worden?" "Nicht nur einmal! Es ist auch schon vorgekommen, dass jemand mein Geld im Schlaf gestohlen hat. Auch dafür bin ich gewappnet. Nie bewahre ich das Geld an einer Stelle auf. In meinem  Geldbeutel befinden sich nur ein paar Mark, den gebe ich dann freiwillig hin und die Räuberchen sind zufrieden. Der Haupteil befindet sich in den Socken, Schuhen und in der Hosentasche, aber immer am Körper".